Hallo PT,
richtig, besser wir diskutieren das Thema hier weiter. Generell können die Fragen zu Maßnahmen zur Nutzung von regenerativen Energien wie Solar- oder Geothermie sowie die Anwendung saisonaler Wärmespeicher erst beantwortet werden, wenn ein geeignetes Anlagenkonzept gefunden ist, das zum Haus, dem Bedarfsprofil und den Nutzeransprüchen passt. Da Niedrigenergie- oder Passivhäuser generell nur geringe Restwärmeleistungen benötigen, stellt sich die Frage nach der optimalen Gesamtlösung: Was ist das geeignete Erzeugersystem, was ist das passende Raumsystem zur Abgabe der Nutzenergie und wie wird das System sinnvoll geregelt? Egal welches System, es sollte auf jeden Fall sehr gut regelbar sein, damit die geringen Wärmemengen wohl dosiert mit geringem Übergabeaufwand an die Nutzungszone abgegeben werden können. Außerdem sollte die Regelung auf externe Gewinne rasch reagieren und diese somit optimal für die Energiebilanz des Hauses nutzen können. Diese Problemstellung des Versorgungskonzepts ist sicherlich nicht immer durch das gleiche Anlagensystem lösbar, sondern hängt von vielen Randbedingungen und Anforderungen ab. Ganz wesentlich hängt die Systementscheidung auch von der Zielsetzung ab, die man erreichen möchte (um nur einige zu nennen): Invest- oder Folgekostenminimierung, hohe Energieeffizienz, Minimierung der Primärenergie, hoher Anteil regenerativer Energien, Maximierung des Komforts, etc….
Dementsprechend bieten sich viele Varianten an - spielen wir doch mal die wesentlichen durch:
Bei allen Varianten darf man nicht vergessen, dass man für die TWW-Bereitung sowieso eine Systemtemperatur von mind. 60°C zum Legionellenschutz benötigt. Ggf. ist daher die Wahl eines separaten Systems speziell für die TWW-Bereitung notwendig.
1. Luftheizung gemäß originärer Passivhaus-Definition:
Zulässige Zulufttemperaturen im Auslegungsfall bis zu 60°C, wenn ich mich recht erinnere, d.h. hohe Energiedichte, erfordert sensible Regelung (Raumtemperatur- und Abluftfühler), hohe Reaktionsfähigkeit aufgrund ausschließlich konvektiver Wirkung, System: sehr hohe Lastschwankungen und Verluste, Behaglichkeit problematisch
Sinnvolle Energiequellen:
Aufgrund: Strom, Fernwärme, Heizkessel (nur mit Pufferung)
2. klassische PWWH mit Heizkörpern:
Je nach HK-Auslegung geringe Temperaturen möglich, Strahlungs- und Konvektionswirkung je nach HK-Typ und Anordnung, schnelle Regelungsmöglichkeit (setzt geeignete Regelweise anhand der Raumtemperatur voraus), System: mäßige Lastschwankungen und Verluste, einigermaßen gute Behaglichkeit
Sinnvolle Energiequellen:
Fernwärme, Heizkessel (nur mit Puffer- evtl. Kombispeicher), Wärmepumpe (nur bedingt), Integration von Solarthermie beliebiger Fläche und Leistung bei Kombination mit passend dimensionierten Speicher möglich und sinnvoll
3. Flächenheizung (FB / Wand):
Sehr geringe Temperaturen bis nur 2-6 K über der Solltemperatur im Raum möglich, hohe Strahlungswirkung, je nach Anordnung der Heizrohre unterschiedlich schnelle Reaktionsfähigkeit (jedoch aufgrund der geringen Systemtemperaturen auch unproblematischer), Regelung muss vorausschauend und sensibel anhand der Raumtemperatur(-tendenz) erfolgen, System: stark gepufferte, geringe Lastschwankungen sowie Verluste, gute Behaglichkeit
Sinnvolle Energiequellen:
Prinzipiell wie 2, jedoch Wärmepumpe gut geeignet, Solarer Nutzungsgrad zur Heizunterstützung ist erheblich höher
Aus der nach meinen Ansichten erstellten Systemübersicht geht für mich hervor, dass die Nutzungsmöglichkeit regenerativer Energien bei sinkenden Systemtemperaturen steigt. Gleichzeitig nimmt aber leider auch die Reaktionsfähigkeit ab und die Regelung wird aus meiner Sicht kritischer.
Bei einem Solarhaus bestehend aus dem System 2 und 3 sind daher die Temperaturen für die Warmwasserbereitung das problematischste, hier weiß ich noch nicht, welches System für die Ergänzung am sinnvollsten ist. Aber diesbezüglich werde ich mir noch Erfahrungen von PH-Besitzern an den Tagen des Passivhauses (
http://www.ig-passivhaus.de/index.php?page_id=157&level1_id=75) einholen, wobei ich mir gezielt Projekte von (
http://www.passivhausprojekte.de) aussuchen werde, die ich besichtigen möchte.
Ein PH planen und nachweisen lässt sich übrigens mit dem PHPP (
http://www.passiv.de/04_pub/Literatur/PHPP2007/PHPP-M_F.htm). Für die detaillierte Bilanzierung großer Solaranlagen und von Speichersystemen sind jedoch spezielle Berechnungsprogramme erforderlich.
Viele Grüße
B. v. W-Z