Kritik an Studie zu Mehrkosten von Passivhäusern

Kritik an Studie zu Mehrkosten von Passivhäusern

Beitragvon EnBauSa Silke Thole am Do 4. Nov 2010, 10:48

EnBauSa.de hat am 3. November 2010 über eine Studie der Kieler Arbeitsgemeinschaft für Zeitgemäßes Bauen berichtet. Tenor: Der Bau eines mehrgeschossigen Wohngebäudes nach Passivhaus-Standard verursacht über 30 Prozent Mehrkosten gegenüber einem Bau nach EnEV 2009. Hier gelangen Sie zum Beitrag: http://www.enbausa.de/daemmung-fassade/aktuelles/artikel/passivhaus-verursacht-ueber-30-prozent-mehrkosten-1715.html.

Die Reaktionen waren heftig: die Studie sei unqualifiziert, die Zahlen an den Haaren herbeigezogen. Was meinen Sie? Wir laden Sie herzlich ein, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Ihre Silke Thole,
Redaktion EnBauSa.de
EnBauSa Silke Thole
 
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Re: Kritik an Studie zu Mehrkosten von Passivhäusern

Beitragvon ph-architekt am Do 4. Nov 2010, 11:23

aber hallo...
was ist denn das für eine - wohl unqualifizierte untersuchung die da gemacht haben - ich würde den bericht gerne erhalten und bitte um zusendung per email (pdf) oder post.
ohne nennung von auftraggeber, ersteller und vergleich zu seriösen bekannten zahlen halte ich dies für eine "wichtigmacherei"!
die mehrkosten sind durch zigfache auswertung verschiedener institute und auch des bki (dem ich auch die daten liefere) mit ca. 4-7 % bezogen auf den jeweiligen mindestwert zu benennen.
also, entweder sie recherchieren dass sorgfältig vor einer veröffentlichung oder mein vorschlag: es verschwindet sofort wieder von eurer homepage!
danke
ph-architekt
 
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Re: Kritik an Studie zu Mehrkosten von Passivhäusern

Beitragvon rolandmatzig am Do 4. Nov 2010, 12:40

Hallo Frau Thole,

ein seriöse Studien zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Quelle und die Bezugsdaten vollständig und nachvollziehbar genannt sind. Das gilt auch für eine redaktionelle Veröffentlichung.
Ob uns das Ergebnis, das Sie auf Ihrer Seite "in knappen Worten zusammengefasst" veröffentlichen, gefällt oder nicht ist dabei zweitrangig.
Sie sollten bei Ihrer redaktionellen Tätigkeit einfach Sorgfalt wahren und "Ross und Reiter" nennen. Dann könnte man sich damit auch seriös auseinandersetzen.
Die Aussage in dem von Ihnen geschriebene Artikel hätte ein fachkundiger Redakteur zumindest dadurch relativeren und objektivieren können, in dem er schon lange vorhandene Zahlen des PHI gegenübergestellt hätte.
Das haben Sie leider nicht, bzw. nicht richtig getan und somit dem Leser ein völlig einseitiges Bild gezeichnet, das dem Passivhaus ein falsches Zeugnis gibt.
Die Mehrinvestitionen sind bei allen seriösen Studien die ich kenne mit ca. 5-8 Prozent nachgewiesen. Das deckt sich auch mit unseren eigenen Projekten.
Hier von mehrKOSTEN zu reden ist ohnehin falsch, da Kosten eine vwerlorene Ausgabe darstellt. Beim PH handelt es sich jedoch um eine Investition die sich binnen kurzer Zeit über ersparte Betriebsausgaben rechnet.

Die Studien zu Kosten und Investitionen erhalten Sie beim PHI in Darmstadt und sollten diese auf Ihrer Seite veröffentlichen, damit dies auch als Newsletter an den gleichen Verteiler geht wie Ihre falsche Rechersche dies tat.
Das Thema hier im Forum zu behandeln ist nicht zielführend.

Roland Matzig
r-m-p architekten
www.r-m-p.de



Das sind Sie, aus meiner Sicht und gemäß Ihrer Aussage in unten stehender Mail, dem Passivhaus schuldig.
rolandmatzig
 
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Re: Kritik an Studie zu Mehrkosten von Passivhäusern

Beitragvon passivhaus institut am Mo 8. Nov 2010, 13:48

Herzlichen Glückwunsch!

Die ARGE, zuständig für die Qualitätssicherung von KfW- und Passivhäusern in Schleswig Holstein, darf sich mit der Schlagzeile „30% Mehrkosten für Passivhäuser“ der Aufmerksamkeit gewiss sein. Zur Qualität gehört aber auch Kosteneffizienz.

Das sehen die Autoren der Studie wohl anders, und toppen beim wer-bietet-mehr-(Kosten) sogar noch das erste Passivhaus (bezogen bereits 1991). Das brachte, trotz aller Lernkosten und trotz der Mühen der handwerklichen Einzelfertigung vor Ort (wegen der damals noch nicht marktverfügbaren Passivhausprodukte), gerade 16% bauliche Mehrkosten zustande (penibel dokumentiert und abgerechnet, ohne Solaranlage - publiziert in Sonnenenergie und Wärmetechnik 4/1994, „Wirtschaftlichkeit von Niedrigenergiehäusern“). Der Heizenergieverbrauch dieser 4 Familien liegt nachhaltig - seit 18 Jahren – deutlich unter 1m³Gas pro m² Wohnfläche und Jahr. Ein echtes 1-Liter-Haus also.

Um das zu erreichen, braucht es eine hohe Planungsqualität; wer sicher gehen möchte, kann das Angebot der Passivhaus-Zertifizierung oder der Weiterbildung zum Passivhausplaner wahrnehmen - wie es über 1000 Planer in Europa bereits getan haben.

Seit 1996 steht das kostengünstige Passivhaus auf der Agenda – mit einer großen Zahl von transparent abgerechneten Projekten mit 3 - 8% Mehrinvestition, z.B. bei der ersten Passivhaussiedlung 1997 mit 6-7% Mehrkosten, oder beim ersten Passivhaus-Geschosswohnungsbau (in Kassel) mit insgesamt 996 € Baukosten pro m² Wohnfläche und viele mehr. Diese Untersuchungen sind lange publiziert, man kann sie nachlesen z.B. in den Protokollbänden des Arbeitskreises kostengünstige Passivhäuser, Tagungsbänden der Passivhaustagungen oder den Projektberichten des europäischen CEPHEUS-Projekts; s. http://www.passiv.de/04_pub/Literatur/LiterM_F.htm.

Unabhängig informieren können Sie sich in der Wissensdatenbank Passipedia:
http://www.passipedia.de

Aktuelle Information bringt der nächste Arbeitskreis zum Thema „Ökonomie“: Er findet am 10. Dezember 2010 in Darmstadt statt - u.a. mit brandneuen abgerechneten Kostendaten zu Passivhaus-Sanierungen. Tagesordnung und Anmeldeformular unter http://www.passiv.de.
passivhaus institut
 
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Re: Kritik an Studie zu Mehrkosten von Passivhäusern

Beitragvon Johannes Laible am Di 9. Nov 2010, 12:43

Eigentlich ist in diesem Forum schon alles gesagt. Von mir nur so viel:

- Auftraggeber der Studie sind meines Wissens zwei Verbände der norddeutschen Wohnungswirtschaft. Dass in dieser Branche häufig (tendenz abnehmend) wenig Lust auf das Passivhaus herrscht, ist nicht neu.

- Wie dumm müssen Passivhausbauherren sein, wenn sie zwar die U-Werte jedes Bauteils aufsagen können, aber noch keiner gemerkt hat, wieviel teurer sie bauen?

- in unserem Passivhaus Kompendium gibt es regelmäßig Studien, bei denen Häuser nach EnEV- und nach Passivhausstandard ausgeschreiben und die Kosten berechnet werden. Können meine Autoren nicht addieren, wenn sie dort auf Mehrkosten von max. 10 % (im Mehrgeschosswohnungsbau) kommen?

Gruß
Johannes Laible
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Re: Kritik an Studie zu Mehrkosten von Passivhäusern

Beitragvon Peter Tschakert am Mo 7. Feb 2011, 12:37

Eine Schlagzeile darf auch mal reißerisch sein, das macht neugierig.
Spätestens im Kleingedruckten muss aber dann Butter bei die Fische.
Die Frankfurter ABG Holding hat schon weit über 1000 Wohneinheiten in PH-Bauweise errichtet. Geschäftsführer Junker spricht von 3 bis 5 % Mehrkosten gegenüber EnEV Standard. Wenn er dabei schelmisch grinst, dann vielleicht deshalb, weil sich beim Verkauf der Mehrerlös schon eher den 30 % nähert, die in der Studie genannt sind.
Diese 3-5 % lassen sich auch nur erzielen, wenn gute und erfahrene PH-Planer konsequent kostengünstig planen.

In der Beratung von Investoren ohne PH-Erfahrung erleben wir dann auch starke Zweifel an diesen Zahlen. Unsere Argumente gehen eher weg von den Energiekennwerten, das zahlt eh der Mieter, dafür stärker Richtung Qualitätssicherung. Ein Passivhaus muss funktionieren, und dazu müssen U-Werte, Dichtheit und Wärmebrückenminimierung stimmen. Das wird erreicht mit zertifizierten Bauteilen, Bauweisen und Kontrollen. Und die bringen Qualität.

Ein "Standard"-Neubau ist ein Überraschungsei. Wir haben gerade von 5 Jahre alte Siedlungshäusern mit gemessenen über 190 kWh/m² Verbrauch erfahren. Ein Passivhaus hat einen Bruchteil davon, das ist Qualität! Und die ist etwas wert, deutlich mehr wert als die Mehrkosten.
Peter Tschakert
 
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